Archive for the ‘Burnout und Arbeitsplatz’ Category

Psychiatrisierung des Alltags – Dr. Kurt Usar

Quelle: www.wfmtf.net

Psychiatrisierung des Alltags

Im Rahmen unseres solidarisch finanzierten Gesundheitssystems kann ein unangenehmer Zustand auf Kosten der Allgemeinheit nur dann angegangen werden, wenn er durch Etikettierung mit einer Diagnose zur Krankheit erhoben wird.

Abgeschlagenheit, Überlastung, Überdruss bei der Arbeit, Freudlosigkeit aufgrund von Überarbeitung werden erst dann ein Fall für die (solidarisch finanzierte) Medizin oder auch Psychotherapie, wenn die Diagnose Burnout gestellt ist (wobei es sich hier um auch in der „Fachwelt“ umstrittene Diagnosen handelt), viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass Burnout-anfällige Persönlichkeiten durchaus nicht bei sich immer mehr verstärkendem Arbeitsaufwand in einen solchen Zustand hinein geraten („nur wer brennt, kann ausbrennen“), sondern zeitlebens in ihrer Einstellung zur Arbeit von negativen Erfahrungen geprägt sind.
Im Bereich der Psychiatrie, wo das Wägen und Messen noch immer weitgehend zurück steht hinter der Methodik, eine gewisse Liste an Symptomen durch Fachgesellschaften zur Krankheit zu erklären und also der Willkür Tür und Tor geöffnet ist, werden laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger österreichweit aktuell nahezu eine Million Menschen psychologisch und psychiatrisch betreut, gut 90 Prozent von ihnen bekommen Psychopharmaka; aufgrund der Stigmatisierung durch viele psychiatrische Diagnosen ist mit einer Dunkelziffer zu rechnen, so dass manche Fachleute von einer Zahl von bis zu 1,5 Millionen Österreichern ausgehen, die aufgrund angeblicher psychiatrischer Krankheitsbilder medikamentös versorgt werden.
Der Versuch, psychiatrische Erkrankungen in Frühstadien zu erfassen (so die wohlmeinende Interpretation), führt zu immer breiter gefass-ten Krankheitskategorien: Wer nach dem Ableben einer ihm nahe stehenden Person länger als zwei Wochen trauert, qualifiziert sich bereits für eine behandlungsbedürftige depressive Störung.
Insbesondere in der Kinderpsychiatrie ist eine dramatische Entwicklung zu beobachten. Diagnosen wie Autismus und ADHS nehmen um Zehnerpotenzen zu binnen weniger Jahre; wiederum nach Zahlen der Sozialversicherungsträger – mit entsprechender Unschärfe – werden in Österreich mindestens 10.000 Kinder unter 10 Jahren derzeit mit Psychopharmaka behandelt und 30.000 Jugendliche unter 18 Jahren.
Wenn Psychiater und Psychologen behaupten, gut ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen hätte psychiatrische oder psychologische Probleme, ja schon 15 Prozent der Kindergartenkinder hätten Depressionen (sic!!!), liegt es nahe, dass hier Verhaltensweisen als Krankheiten eingestuft werden, die mit pädagogischen, innerfamiliären, schulischen, sozialarbeiterischen . . . Maßnahmen besser und für die Betroffenen langfristig ungleich weniger stigmatisierend behandelt werden könnten. Am erschreckendsten ist wohl die explosionsartige Zunahme der behaupteten Erkrankungen.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde veröffentlicht Zahlen, denen zufolge 2011 in den USA etwa 500 Millionen Verschreibungen psychiatrischer Medikamente erfolgten. Unter den zehn meistverschriebenen Medikamenten kam es beinahe bei  allen zu Zuwächsen  im zweistelligen Prozentbereich gegenüber 2010, die drei erfassten Medikamente gegen ADHS nahmen prozentuell allesamt über 50 Prozent punkto Zahl der verordneten Packungen zu.
Eine der Stärken der Homöopathie liegt bekanntermaßen darin, dass – jeder gute homöopathische Arzt wird das seinen Patienten auch sagen – die hier gestellten Diagnosen lediglich den rechtlichen Gepflogenheiten der Medizin  geschuldet sind.
Sie bedeuten nicht eine (sei dies nun stigmatisierend empfunden oder nicht) Zuschreibung einer Erkrankung, sondern die Übereinstimmung mit einer Reihe von Arzneimittel- und Prüfungssymptomen, in der Hoffnung, ein Mittel gefunden zu haben, das die Selbstheilungskräfte des (psychisch) Erkrankten (?) in die Lage versetzt, einen leidfreien Zustand wieder zu erlangen.
Die zunehmend flächendeckende „Behandlung“ zumal von Kindern mit sich noch entwickelndem Gehirn hat wahrlich erschreckende Ausmaße angenommen.

Dr. Kurt Usar

Ein möglicher Energieausgleich

Gesundheitsrisiko Überstunden

Eine Forschungsarbeit mit dem Thema „Arbeitseffektivität im 21. Jahrhundert“ hat sich unter anderem auch mit der Frage beschäftigt, ob sich Überstunden negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmer auswirken. Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig und belegt, dass Überstunden zu einem durchschnittlich erhöhten Gesundheitsrisiko führen.

Zunächst einmal wurde in der Studie untersucht, wie viele Stunden die Europäer in der Woche heute im Durchschnitt arbeiten. Dabei kam heraus, dass über 85 Prozent der Studienteilnehmer wesentlich mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Fünf Prozent haben sogar eine Wochenarbeitszeit, die mehr als 60 Stunden beträgt, also jeder 20. Arbeitnehmer. Somit sind es also nur etwas über zehn Prozent der Arbeitnehmer in Europa, die die meistens tariflich vereinbarte Arbeitszeit zwischen 38,5 und 41 Stunden in der Woche auch einhalten.

Was sind die Folgen der langen Arbeitszeit?

Den Forschungsergebnissen zufolge gibt es eine ganze Reihe von negativen Folgen, die durch die zulange Arbeitszeit in Form von Überstunden verursacht werden können. Im Wesentlichen sind hier vier negative Folgen zu nennen, nämlich größere bzw. häufigere gesundheitliche Probleme, der Verlust an Motivation sowie an Engagement, und zudem vermehrt sich auch das Risiko, an einem Burnout-Syndromzu erkranken. Unter anderem kommt die Studie zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer sich regelmäßig am Ende ihrer Kräfte fühlen, falls sie an allen fünf Wochenarbeitstagen an die Tätigkeit im Büro gebunden sind. Inzwischen ist es medizinisch erwiesen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Überstunden und dem vermehrten Auftreten von gesundheitlichen Problemen gibt, wie zum Beispiel Depressionen, Probleme im Bereich der Gelenke und Muskeln sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Der Arbeitsplatz-Standort ist entscheidend und kann Abhilfe schaffen

Ein weiteres Ergebnis der durchgeführten Studie besteht darin, dass der Standort des Arbeitsplatzes eine ganz entscheidende Auswirkung auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer, und somit auch auf das Gesundheitsrisiko hat. So besagt das Ergebnis der Forschungsarbeit zum Beispiel, dass sich die Häufigkeit des gefürchteten Burnout-Syndroms bereits um 30 Prozent verringert, wenn die Arbeitnehmer den Standort ihres Arbeitsplatzes nur einmal in der Woche selbst wählen dürfen. Das Burnout-Risiko sinkt sogar um 40 Prozent, wenn die Mitarbeiter die Freiheit haben, ihren Arbeitsplatz selbst zu bestimmen. Eine noch deutliche Verringerung der Häufigkeit der Burnout-Erkrankung ist zu erreichen, wenn den Arbeitnehmern gestattet wird, dass sie ihren Arbeitsplatz weg vom Hauptbüro verlegen dürfen. In diesem Fall sinkt der Burnout von 48 Prozent auf nur noch fünf Prozent.

Studie: Regus Büros

%d Bloggern gefällt das: