Archive for the ‘Presse und Bücher’ Category

Eine sehr wertvolle Seite für alle Bewussten unter uns…

Liebe LeserInnen!

Dieses Mal möchte ich in der Sache Mutter Erde etwas loswerden, und jeden Interessierten darauf aufmerksam machen.

Halbzeit Fundstücke, die von den Machern von Hydrophil zusammengetragen wurden.

z.B.

Wir starten mit etwas aus der Kategorie “Leitungswasser vs. Flaschenwasser”. Wir sind ja der Meinung, dass man ausschliesslich zum Wasser aus der Leitung greifen sollte. Wenn aber mal kein Weg am abgefüllten Wasser aus der Flasche vorbei führt, ist das vielleicht für Euch interessant:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/stiftung-warentest-verunreinigung-vieler-mineralwasser-mit-a-982627.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://m.facebook.com

Bildschirmfoto 2014-10-22 um 11.39.55

(Bildschirmfoto)

 

http://blog.hydrophil.biz/

 

Herzliche Grüße an Mutter Erde

Ihr Günter-Erich Novak

Meditation – Wundermittel statt Ausstiegsdroge

20.10.2013

Quelle: info.kopp-verlag.de, Peter Orzechowski

 

Jahrtausende lang galt Meditation als spirituelle Praxis des Fernen Ostens. Vor 40 Jahren wurde sie als Ausstiegsdroge für Hippies verunglimpft. Heute beschäftigt sich die Wissenschaft mit dieser Konzentrationsmethode – und ist jetzt zu verblüffenden Ergebnissen gekommen.

 

Meditation wird in vielen Religionen und Kulturen seit alters geübt und gepflegt. Der Begriff weist ja bereits in diese Richtung: Das lateinische Wort »meditatio« bedeutet »Nachdenken über« und auch »zur Mitte ausrichten« (von lateinisch medius = mitten). Durch Achtsamkeits- oder

Konzentrationsübungen soll sich nach diesen hauptsächlich indischen und fernöstlichen Traditionen der Geist beruhigen und sammeln. Dabei sollen Bewusstseinszustände erreicht werden, die mit Begriffen wie »Stille«, »Leere«, »Eins-Sein«, »im Hier und Jetzt sein« beschrieben werden.

 

Aber – und jetzt sind wir im 21. Jahrhundert – in jüngster Zeit hat sich die Wissenschaft der Meditation angenommen und zum Teil verblüffende, aber kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommene Ergebnisse zustande gebracht. Seit etwa zehn Jahren beschäftigt sich zum Beispiel das Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen mit der Frage, wie sich Meditationstraining auf die Funktion und Struktur des Gehirns auswirkt.

 

Meditation vergrößert das Gehirnvolumen

 

Ulrich Ott und Britta Hölzel vom Bender Institute untersuchten über Jahre die Technik der Achtsamkeitsmeditation. Dabei fokussiert der Meditierende auf seine Empfindungen, die im gegenwärtigen Augenblick spontan auftreten. Diese Ausrichtung auf das Hier und Jetzt verhindert ein Wegdriften in Erinnerungen und Grübeleien. Die unter Aufsicht der Forscher meditierenden Probanden berichteten, dass sie durch die Übungen mit ihrer Aufmerksamkeit und ihren Gefühlen kontrollierter umgehen, dass sie Körperempfindungen sensibler wahrnehmen, dass sie intensiver (er-)leben.

 

Die Wissenschaftler stellten fest, dass durch die Wiederholungen beim Meditieren die Strukturen im Gehirn verändert werden. Britta Hölzel berichtet: »In mehreren Studien haben wir in den letzten Jahren die neurologischen Prozesse untersucht, die diesen Veränderungen zugrunde liegen. Die Ergebnisse dieser Studien untermauern die Feststellung, dass das mentale Training zu Verbesserungen kognitiver Funktionen führt und mit Veränderungen in der Architektur bestimmter Hirnareale einhergeht.«

 

Hölzels Kollegin Amishi Jha von der University of Pennsylvania zeigte in mehreren Versuchsreihen, dass Meditierende ablenkende Störreize ausblenden lernen und sich damit besser konzentrieren können. Eine der Hirnregionen, die diese Aufmerksamkeitsfunktion unterstützt, ist der so genannte anteriore cinguläre Cortex. Durch wiederholtes Üben kann diese Region regelrecht trainiert werden. Zu diesem Ergebnis kamen Jha und Hölzel unabhängig voneinander.

 

Die erstaunlichste Erkenntnis dieser Forschungen war jedoch, dass Meditierende eine deutlich höhere Konzentration grauer Substanz in verschiedenen Hirnarealen aufweisen. Als »graue Substanz« wird die Schicht im Gehirn bezeichnet, in der unter anderem die Zellkörper der Nervenzellen lokalisiert sind. Eine dickere Schicht beziehungsweise eine größere Konzentration an grauer Substanz verbessert die jeweilige Funktion des Hirnareals. Hölzel und ihre Kollegen fanden Effekte besonders im insulären Cortex, in dem Signale aus dem Körperinneren repräsentiert werden, sowie im Hippocampus. Dieser spielt eine herausragende Rolle für das Langzeitgedächtnis und – als Teil des Limbischen Systems – für die Emotionen. Auch im orbitofrontalen Cortex, der für das Regulieren von Emotionen zuständig ist, fanden die Wissenschaftler Veränderungen. Hölzel: »Löst etwa eine Situation bei einem Menschen normalerweise Angst aus, dann ist es diese Region, die daran beteiligt ist, wenn der Betreffende lernt, auf die gleiche Situation eine andere, positive Gefühlsreaktion zu entwickeln.«

 

Meditation gegen Demenz und Alzheimer?

 

Meditieren lässt die graue Substanz in einigen Hirnregionen wachsen. Das führt – nach den bisherigen Forschungen – zu höherer geistiger Flexibilität. Im Alter lässt diese geistige Beweglichkeit nach. Grund ist vermutlich, dass die graue Substanz im vorderen Teil des Hirns zurückgeht. Bedeutet das, dass mit Meditation dieser Schwund aufgehalten werden kann? Sara Lazar von der Harvard Medical School behauptet genau dies. Mit ihren Untersuchungen zahlreicher langjähriger Meditierender hat sie herausgefunden, dass die typische altersbedingte Abnahme der frontalen Großhirnrinde bei ihnen ausgeblieben ist. Britta Hölzel bestätigt diese Erkenntnisse: »Auch am Massachusetts General Hospital in Boston nehmen wir derzeit Studien zum protektiven Effekt von Meditationsübungen auf das alternde Gehirn vor. Die bisher vorliegenden Ergebnisse lassen vermuten, dass ein regelmäßiges Training überlieferter Meditationstechniken tatsächlich einer kognitiven Verschlechterung im Alter entgegenwirken kann.«

 

Entspannung pur

 

Schon vor diesen bahnbrechenden Untersuchungen hatten Wissenschaftler gemessen, dass sich im meditativen Zustand die Hirnwellen verlangsamen. Die Folge: Der Herzschlag beruhigt sich, die Atmung wird tiefer, die Muskelspannungen lösen sich. Meditation wird seither in der Therapie zum Abbau von Stress und Bluthochdruck eingesetzt.

 

Michael Murphy und Steven Donovan hatten bereits Ende der 80er Jahre über 1200 veröffentlichte Forschungsergebnisse über die Wirkung der Meditation verglichen und diese Studien in dem Buch The Physical and Physiological Effects of Meditation: A Review and Comprehensive Bibliography 1931-1988 zusammengefasst. Allein über den Einfluss von Meditation auf den Blutdruck zitieren sie 20 Studien. Eine Untersuchung von Schülern der Transzendentalen Meditation hat gezeigt, dass Meditation folgende Symptome beseitigen kann: Geschwüre, Asthma, Allergien, Kopfschmerz, Akne, Übergewicht, Spannungen. Andere Meditationsforscher hatten genaue Untersuchungen über Selbstbewusstsein, Kreativität, Anschauungen und Flexibilität durchgeführt.

 

Danach hat Meditation einen positiven Einfluss auf die Fähigkeit zu Konzentration und Reaktion – was jetzt ja auch von Hölzel und anderen noch einmal bestätigt wurde. Sie erhöht Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Sie schafft Zufriedenheit und verbessert emotionales Wohlgefühl. Sie stimuliert Kreativität, Denkvermögen und körperliche Kraft. Zusammenfassend kann man sagen, dass Meditation eine der kraftvollsten Selbstheilungstechniken ist. Sie schafft körperliches, mentales, emotionelles und spirituelles Gleichgewicht.

 

 

Das Wesen der Meditation

 

Meditation ist eine Form von Selbsthypnose. Hypnose ist eine Technik, die das Bewusstsein oder den rationalen Teil unseres Gehirns stilllegt. Wir können Meditation auch beschreiben als Funktion von Gehirnwellen. In der normalen bewussten Funktion arbeiten die Beta-Gehirnwellen. Wenn wir unsere Augen schließen und beginnen zu meditieren, werden die Alpha-Gehirnwellen aktiv. Die Delta-Gehirnwellen sind der Zustand tiefster Meditation. Es kann viele Jahre Praxis erfordern, um eine solche Tiefe zu erreichen. Diese Ebene der Meditation ist bei Mönchen in Klöstern oder Gurus der östlichen Hemisphäre zu finden.

 

Fangen Sie noch heute an!

 

Damit dieser Beitrag nicht in der Theorie stecken bleibt und Sie in den Genuss der positiven Wirkung von Meditation kommen, habe ich Ihnen im Folgenden eine kurze Einführung in die Technik zusammengestellt.

Für einen Anfänger ist es wichtig, einen ruhigen Ort zu finden, um die ersten Meditationsübungen durchführen zu können. Die wichtigsten Regeln sind, eine bequeme Haltung einzunehmen und den Atem fließen zu lassen.

Setzen Sie sich mit aufrechtem Rücken hin. Setzen Sie sich entweder auf den Boden mit überkreuzten Beinen (Lotussitz) oder in einen Sessel mit beiden Füßen auf dem Boden. Legen Sie Ihre Arme mit den Handflächen nach oben in Ihren Schoß (wenn Zeigefinger und Daumen sich berühren, wird der Kreislauf der Körperenergie geschlossen) und schließen Sie die Augen. Finden Sie eine bequeme Haltung, damit Sie längere Zeit entspannt sitzen können. Sie sollten nicht müde sein (sonst schlafen Sie ein) und nicht gegessen haben (unbequem).

Konzentrieren Sie sich als Erstes auf Ihren Kopf. Werden Sie Ihr Kopf. Sie denken nur an Ihren Kopf. Gehen Sie in Ihren Kopf und summen Sie den Selbstlaut »I« (wie in »Kissen«). Fühlen Sie die Vibration des »I« in Ihrem Kopf.

Leiten Sie als Nächstes Ihr Bewusstsein nach unten. Wenn Sie bei Ihrem Hals angelangt sind, summen Sie den Selbstlaut »E« (wie in »leer«). Fühlen Sie, wie das »E« in Ihrem Hals schwingt.

Konzentrieren Sie sich dann auf Ihre Brust und summen Sie den Selbstlaut »A« (wie in »ja«). Öffnen Sie das »A« und fühlen Sie es in der Brust.

Nun können Sie in Ihren Bauch gehen und den Selbstlaut »O« summen (wie in »Hypnose«). Fühlen Sie, wie sich das »O« in Ihrem Bauch ausbreitet.

Zuletzt richten Sie Ihr Bewusstsein auf Ihr Geschlecht und summen den Selbstlaut »U« (wie in »du«). Lassen Sie das »U« Ihre Genitalien erfüllen.

Sie können diese Übung mehrere Male wiederholen, indem Sie jedes Mal wieder beim Kopf beginnen.

 

Wichtige Elemente der Meditation

 

Der erste Schritt der Meditation ist, sich auf den Atem zu konzentrieren. Finden Sie beim langsamen Ein- und Ausatmen Ihren Rhythmus. Fühlen Sie, wie die Luft in Ihre Nase eindringt und in die Tiefen der Lunge fließt. Atmen Sie durch den Mund aus und hören Sie, wie die Luft in beide Richtungen fließt. Bemerken Sie Gefühle und Kribbeln. Sie können diese Übung so lange Sie wollen durchführen, da sie von der linken Gehirnhälfte wegführt. Konzentration und Fokus halten Gedanken auf Distanz.

 

Ein weiteres Mittel, um das Geplapper des Verstandes abzuschalten, ist ein Mantra. Ein Mantra kann irgendein Wort oder Satz sein, das den Verstand zerstreut und ihn beruhigt. Die alte Tradition des Schafezählens vor dem Einschlafen wäre somit bei einiger Phantasie auch ein Mantra. Ein Wort oder einen Satz immer wieder zu wiederholen, ist ein Mantra. Versuchen Sie es mit den Wörtern »Liebe« und »Friede«. Wiederholen Sie das Mantra immer wieder.

 

Eine weitere Spielart der Meditation ist die Visualisierung. Wie beim Atmen und dem Sprechen eines Mantras ist der Sinn der Visualisierung Ablenkung. Je mehr Sie sich auf eine Vision konzentrieren und fokussieren, desto weniger bemerken Sie das Plappern der linken Gehirnhälfte. Bleiben Sie in den frühen Stadien der Meditation bei einer simplen Visualisierung. Visualisieren Sie zum Beispiel das Blut in Ihren Adern und stellen Sie sich vor, wie es seine Farbe von rot bis violett verändert. Konzentrieren Sie sich auf Formen und Farben, die vor Ihrem geistigen Auge erscheinen.

 

Rapid Meditation (RM) – Wundertechnik aus den USA?

 

Pragmatisch wie immer entwickelten amerikanische Therapeuten eine neue Herangehensweise an die Meditation. Was nützen all die mittlerweile erwiesenen Vorteile, wenn keiner die Zeit zum Meditieren findet, fragten sie. Daraus entstand die Richtung der »Rapid Meditation« (Schnell-Meditation). Ziel ist dabei, die Augenblicke des Wartens im Alltag (an der Verkehrsampel, vor der Kasse im Supermarkt, im Wartezimmer usw.) umzuwandeln in Momente des Fokussierens.

 

Und hier kommt der neue Ansatz dieser Methode: Fokussieren – zumal schnelles – ist immer abhängig von der Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen. Mein eigener Hypnoselehrer, Dr. Bernie Welan, hat vier Grundarten der Wahrnehmung unterschieden: sehend, fühlend, hörend oder intuitiv. Jeder Mensch hat eine der vier Weisen, in denen er am liebsten und am schnellsten wahrnimmt.

 

Visuell veranlagte Menschen sollten sich demnach in der RM ein geistiges Bild vorstellen oder sich in einen Punkt, den sie vor sich sehen, versenken. Fühler sollten sich auf ein gerade auftauchendes Gefühl konzentrieren oder auf einen Körperteil, in dem sie dieses Gefühl spüren. Menschen, bei denen das Hören im Vordergrund steht, sollten sich einen Gedanken, ein Mantra oder eine Affirmation im Geist vorsagen (und sich dabei zuhören!). Intuitiv Veranlagte lassen am besten ihren Verstand schweifen, wohin er will, und sollten lediglich beobachten, wohin er sie führt.

 

Welan und andere sehen in diesem Zuschnitt der Meditationstechnik auf die Veranlagung des Meditierenden den bestmöglichen Zugang zu den wohltuenden Effekten einer geistigen Übung, die längst aus dem mystischen Dunkel asiatischer Aschrams aufgetaucht ist und heute von der Wissenschaft als Jungbrunnen für das menschliche Gehirn betrachtet wird.

 

 

Literatur:

„Wir brauchen mehr störanfällige Menschen in Unternehmen“

Marietta Türk, 25. September 2012, 05:30 – bei derstandard.at veröffentlicht

Eine Generation von Störenfrieden wächst in einer Welt der Big Data heran – Die permanente Interaktion der Massen schafft ein Klima der radikalen Offenheit, so Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut Österreich

Das Zukunftsinstitut Österreich bringt demnächst eine neue Studie zum Thema „The Power of Openness“ heraus. Geschäftsführer Harry Gatterer hat vorab exklusiv mit derStandard.at über die Welt der Big Data und die Konsequenzen für die Arbeitswelt gesprochen. Warum wir heute permanent gestört werden und das gut ist und was die neue Offenheit für den einzelnen und ganze Gesellschaftssysteme bedeutet, hat er Marietta Türk erklärt. Bei der Abschlussveranstaltung des diesjährigen Standard Mentoring Circle hat er erste Einblicke in die Studie gegeben.

derStandard.at: Noch nie zuvor waren die Menschen so vernetzt und interaktiv wie heute. Ist die Gesellschaft gleichzeitig offener als je zuvor?

Gatterer: Die Welt ist voller Daten und Informationen – im gigantischen Ausmaß. Das ist auch die Grundlage für Austausch und Transparenz: um das Phänomen der Big Data entstehen neue Kanäle der Offenheit, neue Formen der Kommunikation – radikale Offenheit. Und das in allen Bereichen: sei es (wissenschaftliches) Arbeiten, politische Ansätze oder ökonomischen Ideen. Die Massen können sich beteiligen, aus Konsumenten werden auch Produzenten – so genannte Prosumenten. In diesem Sinne ist die Gesellschaft offener denn je.

derStandard.at: Ist das Internet die einzige Instanz, die diese Entwicklung möglich macht oder gibt es mehrere Faktoren?

Gatterer: Natürlich ist es die Informationsmöglichkeit basierend auf dem Internet. Youtube und soziale Medien sind einfache Beispiele für Kommunikation in beide Richtungen. Der andere Faktor: Menschen haben heute mehr Zeit für Interaktion. Die nehmen sie nicht unbedingt aus der Arbeitswelt sondern aus der Freizeit. Das meiste an freier Zeit kommt daher tatsächlich vom Fernsehen, das als primäres Medium immer mehr verliert.

derStandard.at: Gibt es für diese radikale Offenheit konkrete Beispiele in der Arbeitswelt?

Gatterer: Im Beruf etwa, dass man sich aufgrund dieses freien Informationsflusses nicht mehr an bestehende Hierarchien halten muss. In der Wissenschaft merkt man das massiv: immer mehr Forscher betreiben im Sinne von open science in vernetzten offenen Systemen selbstständig Forschung.

Die extremste Form ist das Biohacking im medizinischen Bereich: Wissenschaftler, die Versuche in der Institution, in der sie arbeiten, nicht machen können, kaufen sich über Ebay altes Equipment und über Amazon Rechenleistung zu und machen im Wohnzimmer ihre Tests. Ein amerikanischer Wissenschaftler, Kay Aull, hat ein Inkubatorgerät gekauft und mit Reiskocher und Wasserkocher, einen Gentest entwickelt, der ihn unter 200 Dollar gekostet hat. Das hat ihn mittlerweile berühmt gemacht.

derStandard.at: Es ist also einfacher aus vorgegebenen Systemen und Mustern auszubrechen? Man nimmt sich, was man braucht?

Gatterer: Menschen werden in einer komplexeren und transparenteren Welt mehr denn je ihrer Intuition folgen, und dabei sichtbarer werden. Gerade für die Karrieren ist das immens wichtig: kann ich das, was ich machen will in meiner Organisation nicht umsetzen, muss ich andere Wege gehen.

Das sorgt natürlich auch für Probleme. Für die erwähnten Wissenschaftler ist es im Moment nicht gerade einfach ihre Ergebnisse zu publizieren. Denn die meisten Fachmagazine würden diese ablehnen. Aber auch da etablieren sich open access Journale, die dafür eine Plattform bieten. Das ist noch ein kleiner Nischenbereich, der sich aber rasant zu verbreiten beginnt.

derStandard.at: Permanente Informationsmöglichkeit und Interaktion – besteht nicht langsam die Gefahr der Informationsüberflutung?

Gatterer: Derzeit gibt es eine Million Posts auf sozialen Medien pro Tag, man geht davon aus, dass es 2015 eine Billion Geräte geben wird, die im Internet interagieren, und das wird noch steigen.

Jedes System, sei es Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft funktioniert aufgrund von gewissen Informationsregeln. In dem Moment wo es überflutet wird, wird das System instabil. Aber das hat auch etwas Positives: Instabilität führt zu neuen Lösungen. Die Frage ist nur, was machen wir daraus. Und das ist gerade in der Wirtschaft eine riesen Herausforderung, weil das System davon lebt, dass es klare Sender und Empfänger gibt – hier den Kunden, da den Produzenten – und das wird jetzt empfindlich in Frage gestellt.

derStandard.at: Wenn Kunden zu Produzenten werden, sich die Rollen immer mehr vermischen, wie wichtig wird der Urheber in Zukunft sein?

Gatterer: Die Copyrightfrage wird eine große, weil in dieser Wahnsinnsüberflutung von Information die Urheber gar nicht so leicht herauslesbar sind. Die Frage ist wie wichtig der Urheber überhaupt noch ist in einer digitalen Verbreitungsmaschinerie. Creative commons hat sich weltweit durchgesetzt – die Idee, dass man geradezu möchte, dass sich ein kreiertes Werk frei verbreitet. Das greifen auch Institutionen auf.

Die Worldbank zum Beispiel: sie hat das statistische Material, das sie über die Länder dieser Welt sammelt, immer unter Verschluss gehalten. Vor einem Jahr haben sie die Daten komplett geöffnet, weil der CEO davon überzeugt ist, dass das der richtige Weg ist. Auch die NATO öffnet heute ehemals geheime Informationen. Da dreht sich ein grundlegendes Prinzip um. Und das darf man nicht verwechseln mit Offenheit und Naivität. Aber das ist genau diese Gradwanderung, die für Unternehmen und für den Einzelnen anstehen wird.

derStandard.at: Für den Einzelnen bedeutet das permanentes Abwägen: was gebe ich preis und was nicht?

Gatterer: In Bezug auf Karrieren ist das im Moment stressig: wieviel Information gebe ich als Individuum überhaupt weiter, wo bestehe ich darauf, dass ich der Urheber bin und wann geht meine Idee zur Entwicklung ins Kollektiv und wird dort besser. Wahrscheinlich wird es so enden, dass tendenziell Dinge hergegeben werden. Aber mit dem Resultat, dass man dafür direktes Feedback kriegt und davon profitiert.

derStandard.at: Sie schreiben in der Studie, die Menschen sollen bereit sein sich stören zu lassen. Was meinen Sie damit?

Gatterer: In dieser Welt werden wir permanent gestört. Das kann man ignorieren, wie das die Politik sehr gerne macht, aber Unternehmen oder Führungskräfte können sich das nicht leisten.
Man wird nicht mehr in einem geruhsamen Büro sitzen und seinen Job machen und als Führungskraft vielleicht noch drei Leute instrumentalisieren. Wenn alles glatt läuft, sollte man irritiert sein.

Der Softwareentwickler Tim O´Reilly hat den Begriff „Permantent Beta“ entwickelt – die Idee, dass wir in einem permanenten Entwicklungszustand sind. Und für diese Entwicklung braucht man Störungen. Natürlich braucht aber auch jeder Mensch Erholungsphasen.

derStandard.at: Welche Art von Störungen ist konkret gemeint?

Gatterer: Führungskräfte müssen sich mit sozialen Medien befassen, das ist neu. Oder sie müssen sich von völlig neuen Trends stören lassen wie crowdsourcing oder open hardware Lösungen. Auch aus der Sicht der Bewerber ist diese Openness eine riesen Chance. Das zeigt sich in dem Mikrotrend „Jobjackpotting“, damit werden über Wettbewerbe branchenfremde potenzielle Mitarbeiter angesprochen, die sich auf konventionellem Weg gar nicht auf die offenen Stellen bewerben würden. In Deutschland gibt es auch so genannte pop up Büros: Firmen lassen junge Menschen dort zeitlich begrenzt Neues entwickeln – abseits der konventionellen Standorte.

In Zukunft wird man in Unternehmen mehr Menschen brauchen, die in diesem Sinne störanfällig sind. Also mit neuesten Entwicklungen gut und gerne umgehen. Diese Qualität wird wesentlich wichtiger werden, als sich schnell anzupassen. Mir fällt auf, dass auch junge Menschen ganz früh systemkonform denken, Das ist in Zukunft gefährlich. Für das Individuum, weil es sich in das Glaubensmuster eines alten Systems begibt, ohne es zu hinterfragen. In Unternehmen, die kein Andersdenken zulassen, sind Tür und Tor offen für Zukunftsversagen. Vor allem in Österreich müssen wir dieses Denken schneller etablieren, damit uns nicht Verschlossenheit und Systembeharren die Zukunft verbauen. (Marietta Türk, derStandard.at, 25.9.2012)

Studie

Die Studie des Zukunftsinstituts Österreich  „The Power of Openness – Wie eine neue Offenheit Chancen für Wirtschaft, Politik und Kultur bietet“ erscheint am 10.Oktober 2012

Weiterlesen

Abschlussveranstaltung des Mentoring Circle Jahres 2011/2012

Links

http://www.zukunftsinstitut.at/

Standard Mentoring Circle

http://www.mmde.at

Das Paradoxe unserer Zeit

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Heute haben wir größere Häuser, jedoch kleinere Familien…
Mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit…
Wir haben einen höheren Bildungsgrad mit mehr Wissen, aber weniger gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen…
Wir haben mehr Experten, aber mehr Probleme…
Mehr Medizin, aber weniger gute Gesundheit…
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Wir geben uns zu unbekümmert
Lachen zuwenig
Werden zu schnell ärgerlich
Stehen zu spät auf
Lesen zu wenig
Sehen zuviel TV und sind weniger rücksichtsvoll…
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Wir haben unsere Besitztümer multipliziert, aber unsere Werte reduziert…
Wir reden zuviel, lieben zu wenig und lügen zu oft…
Wir haben gelernt, wie man einen Lebensunterhalt verdient, aber nicht das Leben…
Wir haben Jahre zu leben, aber nicht dem Leben Jahren hinzuzufügen…
Wir haben höhere Gebäude, aber niedrigere Temperamente…
Breitere Straßen, aber schmalere Standpunkte…
Wir geben mehr aus, aber haben weniger…
Wir kaufen mehr, genießen es noch weniger…
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Wir sind die ganze Strecke zum Mond und zurück gewesen, aber wir haben Mühe, die Straße zu überqueren, um unsere Nachbarn zu treffen…
Wir haben das Atom, aber nicht unser Vorurteil gespalten…
Wir schreiben mehr, lernen weniger, planen mehr, aber vollenden weniger…
Wir haben gelernt zu eilen, aber nicht zu warten…
Wir haben höhere Einkommen, aber niedrigere Moral…
Wir bauen mehr Computer, um mehr Information zu halten, mehr Kopien zu erzeugen, aber um weniger persönliche Kommunikation zu haben…
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Wir haben mehr Quantität statt Qualität…
Dies sind die Zeiten des Fast Foods und großen Männer mit wenig Charakter…
Mehr Freizeit, aber weniger Spaß – mehr Arten der Nahrung – aber weniger Ernährung…
Zwei Einkommen – aber mehr Scheidungen…
Schönere Häuser – aber gebrochene Heime…
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Burnout als „gesunde Reaktion“

Psychotherapeutin Rotraud Perner zum Thema Burnout und ihr neues Buch „Der erschöpfte Mensch“

Burnout als „gesunde Reaktion“ – noe.ORF.at

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