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Burn-out? – Ach was , das schaffst du schon!

Burn-out-Gefährdung ist ein Prozess mit vielen Gesichtern, der sich über Jahre ziehen kann.
Die wenigsten Betroffenen wollen es wahr haben und strengen sich noch mehr an – bis irgendwann gar nichts mehr geht.

In Zeiten der Rationalisierung und des allgemein spürbaren
Kostendrucks werden viele Menschen vor die Aufgabe gestellt,
mit gleich bleibenden Ressourcen und in immer weniger Zeit
wesentlich mehr Aufgaben zu bewältigen. Diese Gleichung
kann auf Dauer nicht aufgehen. Die gesellschaftspolitischen
Folgen und deren Kosten sind fatal.
Natürlich spielt auch die Persönlichkeit eine große Rolle
dabei, ob jemand Burn-out gefährdet ist oder nicht: Sehr häufig
trifft es leistungsorientierte Menschen mit hohen Idealen und
Perfektionsansprüchen. Oft begegnen sie sich selbst mit großer
Härte und sind dabei ständig von Selbstzweifeln geplagt.
Die Angst, bestimmten Anforderungen nicht zu genügen,
putscht ihre Kraftreserven kurzfristig auf, aber langfristig werden
sie aufgezehrt. Permanente Anspannung und Hektik lassen
die unbedingt nötige Regeneration nicht mehr zu. Wer geistig
und körperlich permanent auf der Überholspur ist, wird früher
oder später zusammenbrechen.

Profitmaximierung gilt als höchstes Ziel …

Im Laufe der Zeit verwandeln
sich Idealismus, Arbeitseifer und Begeisterung in
einen Zustand chronischer Erschöpfung, die bald von diffusen
psychosomatischen Beschwerden begleitet wird. Ein häufiges
Gefühl bei Burn-out ist auch, zu wenig Erfolg im Verhältnis zum
Einsatz zu haben und unter fehlender Anerkennung und Wertschätzung
zu leiden. Das Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen
des einzelnen Menschen und seinen Anforderungen
am Arbeitsplatz wird immer größer. Unzufriedenheit mit der
eigenen Leistung und Gefühle der Machtlosigkeit sowie Überforderung
machen sich breit. Ein Verschleiß von Werten und
Würde, von Fähigkeiten und Gefühlen beginnt. Dabei kann sich
eine massive Negativspirale ergeben, häufig von Depression
begleitet, schlimmstenfalls bis zum Suizid.
Die zu Grunde liegenden Ursachen von Burn-out sind
aber nicht ausschließlich hoher Druck am Arbeitsplatz. Häufig
ist es einfach nur die „Summe der einzelnen Teile“: Überlastungssituationen
sind ja auch in anderen Lebensbereichen
anzutreffen – gut vorstellbar bei AlleinerzieherInnen, die neben
ihrem Beruf mit ihren Kindern den Alltag zu managen haben,
wobei zusätzlich ein enger finanzieller Rahmen ihre Existenzängste
schürt. Ständig Doppel- und Mehrbelastungen ausgesetzt
zu sein, „begünstigt“ das Entstehen einer Burn-out-Krise.
Irgendwann muss man sich eingestehen, so schwer es
einem auch fällt, „Ich schaffe es nicht mehr“. Eine der größten
Unsicherheiten dabei ist, wie Partner und Arbeitgeber darauf
reagieren. Und vor allem: Wie komme ich aus dieser Krise
wieder heraus? All diese Überlegungen kosten Energie, die man
gerade zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hat. Eines ist allerdings
sicher: Der Weg aus der Krise braucht nun seine Zeit. Krankenstände
bis zu einem Jahr sind keine Seltenheit!

… und der Wert „Leistung“ wird dafür missbraucht

Im Hinblick auf
die Zukunft wird entscheidend sein, wie die Arbeitgeber auf
das kollektive Stresssymptom reagieren. Noch können sie sich
erlauben das Problem „wegzuindividualisieren“, und „ausgebrannte“
Mitarbeiter ersetzen. Offensichtlich ist das leichter als
interne strukturelle Abläufe kritisch zu hinterfragen. Oft stehen
unklar abgegrenzte Arbeitsbereiche und widersprüchliche Rollenzuweisungen
dahinter, sowie unterschiedlichste Anforderungen,
für die keine ausreichende Arbeitskapazität zur Verfügung
gestellt wird.
Aber die Unternehmen können von ihren Mitarbeitern
nicht nur fordern – sie müssen diesen auch etwas geben: Weiterbildung,
Wertschätzung und vor allem Zeit zum Durchatmen.
Was wir dringend brauchen, ist eine gesellschaftliche Atmosphäre,
in welcher es selbstverständlich ist, eine gute Balance
zwischen Arbeitsleben und Privatleben zu finden. Denn jemand,
der gut in sich verankert ist, ist langfristig fähig, seine Energie
und seine Arbeitskraft mit Engagement und Freude am Arbeitsplatz
einzubringen.

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