Posts Tagged ‘Gesellschaftliche Gründe für Burnout.’

Die Zunahme von Burn-out braucht uns nicht zu verwundern.

Was zählt, sind die Schlagworte „größer, schneller, mehr“.
Alles ist auf Wachstum und Wettbewerb berechnet! Laufend werden neue,
größere Bürogebäude, neue Unternehmen aus dem Boden
gestampft, die andere am Markt verdrängen oder neue, zusätzliche
Märkte schaffen müssen. Und jeder Euro, der investiert
wird, soll sich mit satten Zinsen rentieren.
Im Grunde leben wir im Überfluss (auch wenn er nicht
richtig verteilt ist) – und trotzdem giert alles schon auf die
nächste neue Produktgeneration, die noch mehr können, noch
besser sein wird. Und auf den nächsten Boom, die nächste
Sensation, die alles Bisherige in den Schatten stellen wird. Eine
Welt auf der Jagd nach dem Neuen – gehetzt von der Angst,
etwas zu versäumen. Die Maschine läuft heiß … bis hin zur Umwelt;
und man darf die Klimaerwärmung ganz naiv auch einmal
so verstehen.
Wir Menschen beschränken uns längst nicht mehr auf die
Rolle des unbeteiligten Rädchens darin. Zunehmend sind wir zu
kleinen Motoren geworden und treiben uns selber zu Höchstleistungen
an: Power, Tempo, Perfektion. Teils unter dem Druck
der Verhältnisse (drohende Arbeitslosigkeit, Prekarisierung,
Ich-AGs). Teils weil wir Hoffnungen damit verbinden, die sich
aber bei Weitem nicht alle erfüllen (die Marke Ich, der Schritt in
die Selbstständigkeit).

Und zweitens leben wir zusätzlich in einer Gesellschaft, der eine ausgeprägte
Wahrnehmungs- und Anerkennungskultur fehlt.

Wer jemals
Vorgesetzte gehabt hat, weiß vermutlich ein Lied davon zu
singen. In viel zu vielen Unternehmen und Institutionen gilt das
Motto „nicht getadelt sei genug gelobt“. Aber noch viel grundlegender
geht es darum, dass Kommunikation mit der Bereitschaft
zum Zuhören beginnt. Die breite Erfahrung von MitarbeiterInnen
dürfte in diesem Punkt allerdings die sein, dass sie
weder mit ihren Ideen, noch mit ihren Bedürfnissen wirklich
gefragt sind.
Dafür werden uns von der Medienöffentlichkeit mit
Vorliebe Ranglisten unter die Nase gerieben, die uns eigentlich
gar nichts angehen. Die reichsten Österreicher (zu denen wir
nicht gehören), die besten Schulen (in die unsere Kinder nicht
gehen), die erfolgreichsten Unternehmen (in denen wir nicht
arbeiten), die angesagtesten Urlaubsziele (die wir uns nicht
leisten können) – bis hin zur Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs
im Alters- und Nationenvergleich oder K. O.-Bewerben wie Starmania
und Dancing-Stars. Alles, um uns über den Umweg des
Infotainments daran zu gewöhnen, uns (in einem lebenslangen
Wettbewerb) mit anderen zu vergleichen – und gefälligst noch
mehr anzustrengen: „Nimm dir ein Beispiel, andere schaffen es
auch!“

Sich aber in keinem Fall mit anderen zu vergleichen, ist einer der
wichtigsten Punkte in der Vorbeugung von Burn-out!

Die therapeutische
Botschaft gegen den gesellschaftlichen Trend und für
das „menschliche Maß“ lautet: „Vergleiche dich nicht! Du bist
einzigartig in deiner Art – und genau so bist du okay. Du musst
niemandem etwas beweisen. Weder durch das, was du dir
leisten kannst, noch durch das, was du leistest. Und schon gar
nicht dadurch, dass du die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit
missachtest, die du nun einmal hast, und die ganz wichtig für
dich und deine Gesundheit sind!“

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